Konzerte


Nächstes Konzert:

Sonntag, den 1. Dezember 2019, 17.00 Uhr, Peterskirche Basel

 

 

Charpentier     Kyrie aus Messe les trépassés

Vivaldi              Gloria D-Dur RV 589

Vivaldi              Credo RV 592  (Neuerscheinung Carus-Verlag 2019)

Chilcott            God so loved the world  (als Agnus Dei)

Vasks               Dona nobis pacem

 

Werkeinführung 2019

 

Eine Messe von vier verschiedenen Komponisten, aufgeführt von der Kantorei St. Peter Basel in ihrem Jahreskonzert am 01.12.2019

 

Einleitung: Die Geschichte der Messe

 

Bis heute wird der katholische Messgottesdienst nach einer Ordnung gefeiert, die ihre Wurzeln im siebten Jahrhundert hat. Die Ursprünge einzelner Messteile reichen sogar noch weiter zurück, wie zum Beispiel das Credo,welches bereits im fünften Jahrhundert entstand.

1526 schuf der Reformator Martin Luther die Deutsche Messe, indem er die Texte vom Griechischen und Lateinischen ins Deutsche übersetzte. Damit fand die Messordnung auch ihren Weg in die evangelische Kirche.

Der inhaltliche Aufbau nimmt den Gläubigen mit auf einen Weg: im einleitenden Kyrie eleisonwird um Gottes Erbarmen für geschehene Schuld gebeten.

Nach dem Zuspruch der Vergebung erwächst daraus das Gloria, das Ehre sei Gott. Im Anschluss folgt das Glaubensbekenntnis des Credo.Das Sanctus Heiligführt zur Abendmahlsfeier oder Eucharistie hin. Im Agnus Deiwird Christus, das Lamm Gottes, welches die Schuld der Welt auf sich nahm, um Erbarmen gebeten. 

Den Gottesdienst beschliessen die Worte des Dona nobis pacem,der Bitte um Gottes Frieden.

 

Marc-Antoine Charpentier (1634/1643? – 1704) wird den meisten Zuhörern als Komponist der Eurovisionsmelodie bekannt sein, dem Prélude seines Te Deums. 

Der Schwerpunkt seines Schaffens lag auf dem Gebiet der Kirchenmusik. 

Das Kyrieaus der Messe pour les trépassés H 2 zu Beginn des Konzertskomponiert 1672,ist ein typisches Beispiel für die Musik des Hochbarock zur Zeit Ludwig des XIV. 

Die 2 Blockflöten geben, neben dem Streichorchester, dem Werk einen innig-weichen Grundton.

Die Form wird von zwei kontrastierenden Teilen bestimmt: das Kyrie eleisonzu Beginn und Schluss des Satzes komponierte Charpentier klangvoll orchestral mit zwei Chören, das Christe eleisonkammermusikalisch mit zwei solistischen Frauenstimmen und Bass.

 

Antonio Vivaldis Gloria in D-Dur RV 589und Credo in G-Dur RV 592könnten in ihrem Bekanntheitsgrad kaum unterschiedlicher sein.

Das berühmte Gloriawurde mit grosser Wahrscheinlichkeit um das Jahr 1715 komponiert. Vivaldi hatte ab 1713 vermehrt geistliche Werke für das Ospedale della Pietàin Venedig geschrieben, da dessen Leiter Francesco Gasparini erkrankt war. Das Ospedalewar ein Waisenhaus für Mädchen, die dort eine hochstehende musikalische Ausbildung erhielten.

Das Gloria kann als «Kantatenmesse» bezeichnet werden.

Der Aufbau folgt dem üblichen Schema von sich abwechselnden Chor- und Soloteilen.

Innerhalb der Sätze gelingt es Vivaldi, verschiedenste musikalische Affekte darzustellen. Dem getragenen «Et in terra pax»,in welchem der Komponist um Frieden zu ringen scheint, folgt das unbeschwerte Duett «Laudamus te».Das «Domini Fili unigenite»mit seinen durchgehenden punktierten Notenwerten erhält dadurch eine ungemeine Vitalität.

Die solistische Trompete tritt im Ein- und Ausgangschor zum Streichorchester und der Oboe hinzu.

 

Kompakter und kürzer in den Teilen ist das Credo. Das fünfteilige Werk enthält für die Solistinnen nur das Duett «Cruzifixus»,zwischen jeweils zwei Chorsätzen eingebettet.

Eine musikalische Klammer bildet das Credo-Motiv des Eingangschores, welches wiederum im Schlusschor verwendet wird.

Ob es sich bei diesem Werk um eine Komposition Vivaldis handelt, ist nicht eindeutig. Der Carus-Verlag hat sich für die Urheberschaft Vivaldis entschieden und im Frühjahr 2019 eine Fassung herausgegeben, um das Werk einer breiteren Zuhörerschaft zugänglich zu machen. Vermutlich wird deshalb in unserem Konzert das Credo RV 592 zum ersten Male in Basel zu hören sein!

 

Bob Chilcott(geb. 1955), ehemals Mitglied der King Singers, ist heute ein bedeutender Vertreter der zeitgenössischen Englischen Chormusik. Seine Werke sind stets tonal gehalten, teils mit einer kräftigen Jazz-Note, wie in seiner «A Little Jazz Mass».

Der Vers «So sehr hat Gott die Welt geliebt»aus dem Johannesevangelium greift den zentralen Gedanken des Agnus Deiauf: Christus, der Sohn Gottes, nimmt stellvertretend der Schuld der Menschheit auf sich. 

Die Vertonung des kurzen «God So Loved The World»beschränkt sich auf einen homophonen Chorsatz von 4 bis 6 Stimmen, der zweimal gesungen wird. Bei der Wiederholung stimmt der Solosopran als Oberstimme mit ein. Die bewusste Reduzierung des musikalischen Materials schafft so ein intimes und sehr persönlich gehaltenes Werk.

 

Die baltischen Länder bewahrten ihre nationale Identität während der sowjetischen Okkupationszeit bis 1991 unter anderem durch die Pflege ihrer Volksmusik und grosse nationale Chorfeste, in denen muttersprachliche Volkslieder von mehreren 10 000 Sängern gemeinsam gesungen wurden und bis heute gesungen werden.

Daraus resultierend gibt es im Baltikum eine lebendige Chortradition und, gemessen an der Grösse der Länder, eine Vielzahl von Chorkomponisten, wie z.B. Arvo Pärt, Ēriks Ešenvalds oder Pēteris Vasks. Dessen Dona nobis pacembeschliesst das Konzert.

Vasks (geb. 1946) arbeitete zuerst Kontrabassist in verschiedenen lettischen Orchestern, bevor er sich entschied, ausschliesslich als Komponist zu arbeiten.

Seine Tonsprache erinnert bisweilen an Pärt, ist aber farbiger und extrovertierter als dessen Werke.

Er sucht bewusst eine emotional direkte Ebene, um den Zuhörer zu erreichen. Er sagt dazu:

«Jeder Komponist muss seinen Weg finden, in seiner musikalischen Sprache sprechen … Wir haben den Kontakt zum Publikum verloren. Diesen Kontakt müssen wir wiederfinden. Wenn zeitgenössische Musik nur auf Festivals existiert, dann ist das keine lebendige Musik.»

Der Wechsel von Einstimmigkeit zu Vielstimmigkeit, Liegetönen, Klangschichtungen sowie langen Crescendo-Passagen, sind häufig verwendete Mittel im Dona nobis pacem. Das Streichorchester steht gleichberechtigt neben dem Chor. Das Werk atmet die Sehnsucht, aber auch Hoffnung, dass Friede in unserer Welt möglich ist.

 

Solisten:

 

Sopran:            Gunta Smirnova

Alt:                  Christina Metz